Nach der gestrigen von der halben webinteressierten Welt nägelkauend verbrachten Wartephase auf Google Chrome, dem neuestem Betaprodukt von The Google, war die Installation und ein erster schneller Test eine meiner ersten Aktionen heute. Summa summarum: Nach all dem vorangegangenen Getöse bin ich vom realen Produkt etwas unterwältigt.

Google Chrome im ersten Test

Die Einrichtung von Google Chrome läuft nach dem Download eines kleinen Installationsprogrammes ohne Auffälligkeiten ab: Lizenzvereinbarung abnicken, danach Download des Komplettpakets, automatischer Import von Lesezeichen und anderen Einstellungen aus Firefox und einige lange Sekunden später der erste Start des neuen Browsers.

Die Oberfläche ist aufgeräumt und folgt der Standardästhetik von Google: Quietschblau ohne Berücksichtigung der vom Anwender gewünschten Desktopfarben. Das ist zumindest für heikle Menschen gewöhnungsbedürftig, und Jon Hicks beurteilt das Design gar als insipid.

Die Oberfläche

Auffällig ist die sehr kluge Gestaltung eines neuen, “leeren” Tabs: Es zeigt Screenshots von den am häufigsten besuchten Sites und die jüngst gespeicherten Lesezeichen an.

Google Chrome: Neuer Tab

Abgesehen von der Farbgebung folgt Chromes Benutzeroberfläche gängigen Konventionen: Wenige, reduzierte Menüs und die üblichen Knöpfe zum Blättern in den besuchten Seiten et cetera. Leider kann man die Surfgeschichte nur Seite für Seite vorwärts und rückwärts blättern – ein Überspringen mehrer Seiten ist nicht vorgesehen, ein Manko gegenüber Firefox 3 oder Internet Explorer 7/8.

Das Feld zur Adresseneingabe, die sogenannte Omnibox, erfüllt mehrere Zwecke: Neben der Eingabe einer Website-Adresse dient es gleichzeitig als Suchfeld für die Google-Suchmaschine (no na net) und liefert außerdem Vorschläge aus den Favoriten und dem Verlauf, die zu den getippten Wortfragmenten passen.

Google Chrome: Omnibox

Überraschend: Das Schließen des aktiven Tabs beendet gleichzeitig den Browser.

Ist Google Chrome kompatibel genug?

Hinter Chrome steckt die Rendering-Engine WebKit, die auch in Apples Safari arbeitet, und eine von Google selbst entwickelte JavaScript-Engine namens “V8”. Ich habe mich für den ersten, oberflächlichen Test der Kompatibilität von Google Chrome zu üblichen Webtechnologien weniger auf Darstellungsprobleme mit CSS oder HTML konzentriert – die sind wahrscheinlich ident mit allen von Safari bekannten Symptomen.

Stattdessen konzentriere ich mich auf zwei Bereiche: Wichtige Plugins wie Sun Java oder Adobe Flash, und JavaScript.

Die etwas ernüchternde Erkenntnis: Es gibt viel zu tun.

  • Flash: Das Plugin existiert funktioniert zur Zeit nicht zuverlässig.
  • Java: Das Plugin existiert zur Zeit nicht als Beta-Version.
  • JavaScript: Populäre Effekte wie Lightbox oder viele mit jQuery programmierte AJAX-Applikationen funktionieren nicht. Andere Anwendungen wie mootools oder YUI funktionieren, ebenso natürlich die Google-Anwendungen (Reader, GMail).

Google Chrome: Sun Java wird überprüft.

Google Chrome auf der Suche nach dem Adobe Flash Player.

Google Chrome: Lightbox 2

Wie funktioniert WordPress mit Google Chrome?

Auf Grund der Lücken, die Google Chrome seitens JavaScript und Flash aufweist, ist der Bedienkomfort der WordPress-Oberfläche mit diesem Browser an manchen Stellen etwas schlanker geraten als man es gewohnt wäre:

  • Alle über Thickbox realisierten Dialoge wie etwa die Medienbibliothek werden als vollflächiges Fenster dargestellt, die Theme-Voransicht funktioniert nicht.
  • Das Hochladen von Medien wie Fotos, Videos oder anderer Dateien erfolgt über den herkömmlichen Browserupload. Der komfortable Flashuploader glänzt natürlich durch Abwesenheit.

Google Chrome: WordPress-Medienbibliothek

Technisches Fazit

Google Chrome ist eine ganz ordentliche Betaversion. Für den täglichen Gebrauch fehlen unverzichtbare Erweiterungen.

Cui bono?

Der primäre Faktor pro oder contra Google Chrome sollte meines Erachtens aber sein, dass Google damit einen Zweck verfolgt. Google ist das mächtigste, einflussreichste, vermögendste Werbeunternehmen der Onlinewelt und verfolgt einen nahe liegenden Unternehmenszweck: Mehr Kohle! (Und, mehr und mehr in der Rolle eines Feigenblatts: Do No Evil).

Wenn Google der Welt also einen neuen Browser schenkt, soll der Unternehmenszweck damit gestützt werden. Alles andere wäre Verschwendung von Aktionärskapital und damit widersinnig.

Jede Installation von Google Chrome trägt eine eindeutige Seriennummer. Die Vorschlagswerte der Omnibox werden von den Googleservern errechnet – für jede Adresse, die eingegeben wird. Die daraus ableitbaren Rückschlüsse zieht der Datenschutzblog im Beitrag Google-Chrome – die Intention liegt auf der Hand.

Nachtrag: Bei der Installation wird neben Chrome auch GoogleUpdate.exe installiert. GoogleUpdate.exe bleibt auch nach der Deinstallation von Chrome aktiv und startet mit Windows mit.

Google Chrome: GoogleUpdate.exe als ungefragt installierte Payload.

Google Chrome: GoogleUpdate.exe als ungefragt installierte Task.

3. September 2008, 08:31 − Abgelegt in

Kommentare

Ich hab in meinem Artikel die technische Seite wenig beleuchtet, aber bei mir funktionierte Flash und diverse Lightbox/Thickbox/sonstwas geschichten problemlos. Vielleicht bin ich nur nicht auf die richtigen/falschen gestoßen – wie gesagt habe ich die technischen Aspekte aber bisher auch noch nicht so beleuchtet. Macht in der Beta-Phase ohne bekannte Roadmap meines Erachtens auch wenig Sinn.

Frank · 3. September 2008, 09:31 · #

Als großes Problem sehe ich jedoch die Datensammelwut von Google. Wer weiss, inwiefern unser Surfverhalten an Google gesendet wird? Bevor es hierzu keine seriösen Tests gegeben hat, werde ich weiterhin den Firefox verwenden.

— Adrian · 3. September 2008, 10:02 · #

Ich muss hier mal eben eine nicht unbedeutende Kleinigkeit kommentieren, die so, wie du sie beschrieben hat, schlichtweg falsch ist:
Es existiert ein funktionierendes Flash-PlugIn.
Chrome bietet beim Besuch einer Seite mit Flash Elementen an, dieses automatisch zu installieren. Danach kann es in einzelnen Fällen nötig sein, den Browser kurz neu zu starten.

Ich benutze gerade in diesem Moment Chrome, um bei YouTube Musikvideos zu gucken und meine Blogstatistik auf Wordpress.com zu begutachten – in diesem Sinne…

MaBU · 3. September 2008, 11:25 · #

Das tut Chrome bei mir – warum auch immer – nicht, siehe Screenshot von Kuler weiter oben.

Der SWR berichtet, dass Flashvideos im Test ebenfalls nicht funktioniert haben:

Ich will mir eines unserer Videos ansehen – geht aber nicht, weil die Videos nur mit Flash-Plugin laufen, was Chrome anscheinend nicht beherrscht.

Robert · 3. September 2008, 11:57 · #

Kann Frank und MaBu nur zustimmen, etwaige Plugins sind vorhanden und funktionieren, ebenso wie die angesprochenen JavaScript-Frameworks.

Webstandard-Team · 3. September 2008, 13:06 · #

Die Plugin gehen tatsächlich, habe aber lange suchen müssen, bis ich das richtige Update hatte, ganz wichtig, Ihr brauch dieses Update für Java, was Google Chrome auch unter Rubrik Hilfe Plugin anbietet, da es bei Java selbst nicht so einfach zu finden ist, klar bei einem ganz neuen Browser.

Einfach dieses Update runterladen, und die Java Plugin funktionieren ohne Probleme.

Google Chrome erfordert Java Version 6, Update 10. Beachten Sie, dass die aktuelle Version eine Betaversion und möglicherweise weniger stabil ist als vorherige Java-Versionen. Sie können diese Betaversion von Java unter:

http://java.sun.com/javase/downloads/ea.jsp herunterladen.

Update f. Windows: jre-6u10-rc-windows-i586-p-iftw-k (1).exe

— Alex · 3. September 2008, 13:50 · #

So, der endgültige Beweis:
Chrome + Flash
http://www.flickr.com/photos/mabu2342/2824922512/

:)

MaBU · 3. September 2008, 14:23 · #

Also bei mir sind Flash-Applikationen die ganze Zeit munter am crashen. Soll wohl beweisen, dass der Rest vom Browser (separate Applikationsstruktur) stabil ist! *lol

René · 3. September 2008, 18:21 · #

Bei mir funkioniert flash (auf youtube und in flash games) – mit einer ausnahme: schaltet man das video auf vollbildmodus, und dann wieder zurück, crasht flash…

— Stani · 4. September 2008, 09:43 · #

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