Ah, welch’ eine Schlagzeile! Solche Steigerungen kannte man sonst nur noch von den Bilanzzahlen der Banken vor dem heurigen Bankendomino…

Ich habe eine der jüngeren Entwicklerversionen von WordPress 2.6 (Revision 7938) getestet, und es ist wahr: WordPress 2.6 ist um Längen schneller als WordPress 2.5.

Allerdings nicht überall: Gemessen habe ich diese Steigerung beim Aufbau der “Artikel schreiben”-Seite. In anderen Bereichen und leider vor allem auch auf der “Vorderseite” des Blogs ist in Sachen Geschwindigkeit alles beim Alten.

Google Gears LocalServer für WordPress 2.6

Woher kommt diese Steigerung? Ist ein Wunder passiert?

Natürlich nicht: Wie von Matt Mullenweg vor nicht ganz zwei Wochen angedeutet, setzt WordPress nun tatsächlich Google Gears ein, um häufig gebrauchte Teile des Backends wie Scripts, Grafiken und Stylesheets auf dem PC des Benutzers zu speichern. Damit entfällt ein großer Teil der Kommunikation mit dem Webserver – das schlägt sich der Ladegeschwindigkeit der WP-Administrationsseiten nieder.

Jeder Benutzer kann unabhängig von allen anderen einstellen, ob Google Gears verwendet wird. In der Entwicklerversion von WordPress 2.6 wird die Bloggerin bei der Anmeldung mit dieser Gewissensfrage konfrontiert:

Installation von Google Gears LocalServer in WordPress 2.6.

Derzeit ist diese einmal getroffene Einstellung noch endgültig1, aber bis zur Veröffentlichung von WordPress 2.6 im August 2008 wird das wohl über ein Hakerl im Benutzerprofil an- und abschaltbar werden.

Nach einem kurzen Umweg über die Downloadseite für Google Gears und einem Browserneustart geht’s dann so richtig los.

Google Gears wird installiert.

Der Import von 185 Scripts, Bildern und Stylesheets dauert je nach Webserver-Geschwindigkeit irgendwas zwischen zehn Sekunden und über eine Minute.

WordPress initialisiert Google Gears LocalServer.

Damit ist der Google Gears LocalServer bereit für die Beschleunigung des Blogs. Der Importvorgang muss für jedes Blog wiederholt werden.

Wann gibt’s sichtbare Beschleunigungseffekte?

Es ist jetzt höchste Zeit für ein paar Benchmarks… Ich habe die Ladezeit der “Artikel schreiben”-Seite in zwei WordPress-Installationen mit aktivierten und deaktivierten Google Gears verglichen:

  • Die erste Installation hat ideale Bedingungen: Mein lokales Testsystem hat praktisch keine Netzwerklatenz, die gesamte Ladezeit wird nur von der Ausführung des Programms und Datenbankzugriffen verursacht.
  • Als zweites Testobjekt dient ein WordPress-Blog auf einem Server, der in Los Angeles steht und zusätzlich zu dieser weiten Distanz auch noch ein paar andere Klötze am Bein hat.

Die Ergebnisse im Detail:

Server Ladezeit ohne Google Gears Ladezeit mit Google Gears Verbesserung
Lokal 2,5 s 1,7 s 32 %
Los Angeles 11,9 s 1,8 s 661 %

Das entspricht also den Erwartungen: Je schlechter der Webserver erreichbar ist, desto mehr profitiert das WordPress-Backend von den lokalen Kopien. Im günstigsten Fall sind unabhängig vom Serverstandort Ladezeiten im Bereich einer lokal betriebenen Installation erreichbar.

Im Echtbetrieb sind die Ergebnisse nicht ganz so beeindruckend wie im Benchmark, weil der konventionelle Browsercache vieles ohnehin zwischenpuffert und damit für den LocalServer weniger zu tun übrig bleibt.

1 Die Nachfrage wird über einen Eintrag in der usermeta-Tabelle mit dem meta_key 'gearsinfobox' gesteuert.

17. Mai 2008, 10:57 − Abgelegt in

Kommentare

Mal sehen, wann die 2.6 Version released wird!

— Toni · 18. Mai 2008, 19:31 · #

Hmmmh, Sachen dieser Art gibts ja schon als Plugin. WP-Offload dürfte ähnlich funktionieren, und hat bei mir gefühlsmäßig auch das Frontend schneller gemacht. Is halt auf ein gewisses Transferkontingent beschränkt.

WP-Cache soll auch Wunder wirken – geht bei mir aber nicht.

Georg · 26. Mai 2008, 10:22 · #

Georg, ich glaube, dass WP-Offload im Wesentlichen nur das Frontend beschleunigt.

Das jedenfalls lese ich aus der Beschreibung im WordPress-Plugin-Verzeichnis heraus:

WP-Offload will boost the performance of your blog by seamlessly offloading static content like images, documents and movies.

Was WordPress 2.6 aber mit Google Gears verbessert, sind die Zugriffe auf Ressourcen des Backends.

Robert · 26. Mai 2008, 10:31 · #

Naja, wen intressiert es ob das Backend schneller ist, ob ich nun 11,2 sec oder 1,2 sec warte beim aufruf “artikel schreiben” ist eigentlich schuppe. wichtig ist es jedoch das das Frontend schnell ist, da bei Blogs mit vielen besuchern der server ziemlich unter lasst steht wenn jedesmal die daten gesendet werden müssen, wird jedoch der content von den statischen seiten lokal beim user gespeichert hat man eine ziemliche große entlastung !

lolox · 19. Juni 2008, 00:28 · #

Hallo,
sag mal ich habe WordPress 2.6 gerade als Update installiert aber von Google Gears ist weit und breit nichts zu sehen.
Wie aktiviere ich das nun?

— Stefan · 19. Juli 2008, 19:37 · #

Ganz einfach: Rechts oben in der Administrationsoberfläche findest du einen Link “Turbo”.

Draufklicken, Anweisungen folgen, fertig.

Falls der Link nicht sichtbar ist, ist dein Browser nicht von Google Geras unterstützt.

Robert · 19. Juli 2008, 19:44 · #

Habe gerade den Turbo Button entdeckt und direkt Gears installiert, aber klappt nicht! :o gibt irgendwie Fehler beim downloaden/speichern der Dateien =(.

Stefan Johne · 11. August 2008, 20:58 · #

Wodurch wird eigentlich der Server in L.A. so abgebremst? Elf Sekunden sind schon eine Menge in Zeiten von Breitbandanschlüssen.

Trotzdem ist eine Steigerung um über zehn Sekunden schon ziemlich beachtlich.

GreeetZ

Jahn Dominik · 15. August 2008, 15:21 · #

Die Reisezeit einer HTTP-Anfrage nach LA und retour beträgt gemäß t = s / c bei einer Entfernung von rund 10.000 km 66 ms, Breitband hin oder her – mehr gibt die Lichtgeschwindigkeit nicht her.

Browser verarbeiten standardmäßig zwei Anfragen gleichzeitig, die Round-Trip-Time von 66 ms multipliziert mit der Anzahl der Anfragen (rund 185, wie in den Screenshot oben zu sehen ist) ergibt daher bereits eine Wartezeit von rund 6,2 Sekunden (10.000 km / 300.000 kms-1 × 2 × 185 / 2).

Der Rest ist Transfergeschwindigkeit, IP-Overhead und Verarbeitungszeit auf den diversen Routern und Servern zwischen hier und den USA.

Robert · 15. August 2008, 16:11 · #

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