Ein Geständnis: Ja, auch ich war einmal jung und hatte kein Geld. Damals habe ich meine ersten Websites bei Gratishostern untergebracht. Das free hosting wurde mit unheimlich lästiger Bannerwerbung finanziert – kein Wunder, dass die Besucher auf meiner Website ausblieben.

Die Zeiten sind vorbei.

Trotzdem wird die Erinnerung an damals immer wieder aufgeweckt. Und zwar so:

Ich recherchiere in Google, klicke auf ein vielversprechendes Resultat. Und was sehe dann zuerst?

Thanks for visiting!

Oder das:

Thanks for visiting!

Und noch das:

Thanks for visiting!

Es grassiert ein Virus unter den WordPress-Nutzern, der “Morbus Primus Visitus”. Verbreitet wird er über ein Plugin, das jeden neuen Besucher mit der Aufforderung begrüßt, den Feed zu abonnieren, Tweets zu folgen oder im Archiv herumzustöbern.

Das ist zwar subtiler, aber genau so kontraproduktiv wie ein Werbungspopup.

Weil: Zu dem Zeitpunkt, zu dem ich diese Aufforderung lese, will ich alles andere als einen Feed abonnieren. Oder irgendwelche Beiträge lesen, die mit meiner Google-Suche nichts zu tun haben.

Mir ist nicht fad und ich suche keine Zerstreuung, sondern genau die Information, wegen derer ich bei Google auf den Link geklickt habe. Und dieses “He, Oida, brauchst a Abo? Geile Beiträge hab i im Archiv”-Kästchen steht zwischen mir und meinem Ziel.

Wenn das Blog wirklich interessant ist, merke ich das schon selbst, und beherrsche meinen feed reader soweit, dass ich eine neue Subskription selbstständig eintragen kann.

Das für diesen aufdringlichen Antrag verantwortliche WordPress-Plugin heißt What Would Seth Godin Do. Welche Ironie: Seth Godin ist der Prophet des Permission Marketing. Alles, was er in den letzten Jahren geschrieben hat, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: “Dränge den Leuten nichts auf, warte darauf, dass sie selbst kommen.”

Falls du WWSGD einsetzt: Bitte, wirf es weg!

Wenn du trotzdem meinst, darauf nicht verzichten zu können, denk daran: Auch Google sieht diesen Text:

“Thanks for visiting…”

“Thanks for visiting…”

“Thanks for visiting…”

Bei jedem einzelnen Beitrag. Denn Google nimmt keine Cookies, und der Plugin-Autor beschreibt die Folgen ganz richtig:

This plugin requires cookies. Users without support for cookies will always see the new visitor message.

Gar nicht toll…

4. Juni 2008, 14:13 − Abgelegt in

Kommentare

Erinnerungen sind was schönes, aber nicht so.

Denke nur an mein altes Modem, zum Glück begegnet einem dieser Zeitfaktor heute nicht mehr.

Frank · 4. Juni 2008, 22:00 · #

Ja, diese Nachrichten sehe ich auch immer öfters. Nerven mich extrem…

— Dave · 5. Juni 2008, 10:51 · #

Danke für den Denkanstoss …

— rene · 20. Juni 2008, 12:48 · #

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